Wenn wir die Wirtschaftskrise betrachten, so sehen wir gerade im Hochschulbereich einen enormen Rückgang von Forschungsmitteln, auch wenn uns das die Politik immer wieder anders vormachen will. Forschungen sind heute meist Drittmittel-gefördert und d.h. für den Forscher und Wissenschaftler, dass er einen bedeutenden Teil seiner Zeit, die er sonst für Forschungen aufwenden könnte, sich mit Akquise von Forschungspartner aus der Wirtschaft zu beschäftigen hat. Doch führt dies meiner Meinung nach zu einer gefährlichen Abhängigkeit hin zu den Forschungspartnern. Immer mehr wird der Fokus auf anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung gelegt und nicht mehr auf Grundlagenforschung, die ja Basis für Innovationen darstellt.
Gerade in Zeiten der Krise sollten aber Forschungen, die zu neuen Innovationen führen im Vordergrund stehen. Die enormen, teilweise unerforschten Potentiale, der social networks und social media, geraten derzeit stark in den Hintergrund, so dass es Unternehmen, wie Facebook u.a. es erst ermöglicht, Geschäftsmodelle im Internet zu implementieren, die vielleicht gar keine Innovationen und daher langfristig nicht überlebensfähig sind. Bemerkbar macht sich dies alles, wenn man Studenten betreut, die sich für diese Themenfelder interessieren. Fachbücher und Forschungsstudien sind rar gesäht. Auch der Bereich der gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen und Innovationen gerät dabei immer mehr ins Hintertreffen. Autoren, wie Markus Albers (Buch: MECONOMY) und Autoren, die sich mit dem Phänomen der Digitalen Normaden beschäftigen, sind meist nur ein Randthema.
Gerade die Digitalen Normaden stellen doch inzwischen ein hohes Innovationspotential für anstehende Problemlösungen im Internet dar. Beachtung findet dieser Ansatz einer neuen Lebensführung in der Politik leider nicht. Wenn wir Orte finden könnten, wo Arbeiten, Diskutieren, Verstehen und Handeln auf eine ganz neue Art möglich sind, so könnten gerade an solchen Orten Lösungsfindungen für aktuelle Problemfelder viel schneller vorangetrieben werden, als heute üblich. Zu überlegen bleibt auch, ob diese Form des Arbeitens und Lebens nicht auch ein neuer Modellansatz für Lehre und Forschung ist. Studenten sind heute alle hochvernetzt, sehr aktiv in sozialen Netzwerken und mit Notebooks und Mobiltelefonen ausgestattet. Ich frage mich derzeit, ob nicht einmal eine Vorlesung von mir so durchgeführt werden könnte. Ich bin aber guter Hoffung, dass dies zu neuen Modellen des Verstehens und Handels auch in der Lehre und Forschung führen wird.
Links:
- DigitalNOMADS Website
- Link zu Video “Digital Normaden”
- Der Tagesspiegel: Zeltstadt für digitale Nomaden
- Das Magazin: Digitale Beduinen
- Website des Autors Markus Albers, MECONOMY
- Coworking München, combinat 56
- Coworking News Blog